Kfz-Versicherung: Fahrrad durch aktuelles Urteil aufgewertet

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Wird ein Auto bei einem Unfall beschädigt, erhält der Fahrer einen Leihwagen oder eine Entschädigung für den Nutzungsausfall von der gegnerischen Kfz-Versicherung. Fahrrad & Co. oder andere Fahrzeuge, die zur täglichen Fortbewegung genutzt werden, haben diesen Anspruch ebenfalls. Dies ist einem Urteil des Landgerichtes in Lübeck zu entnehmen.

Ursprünglich ist die Regelung, einen Nutzungsausfall bei einem Unfall zu beanspruchen, für Autofahrer entwickelt worden. Sie sollten nicht schlechter gestellt werden, als diejenigen Unfallbeteiligten, die einen Leihwagen auf Kosten der gegnerischen Versicherung in Anspruch nehmen.

Im Urteil vom 8.7.2011 sprach sich das Landgericht in Lübeck dafür aus, dass dieser Anspruch auch für einen Fahrradfahrer gelten müsse. Er habe eine fühlbare Beeinträchtigung der Nutzung durch die Beschädigung erlitten und damit läge die Entschädigungspflicht bei der gegnerischen Kfz-Versicherung, dem Fahrrad ebenfalls einen Anspruch auf Nutzungsausfall zu gewähren.

Ein Nutzungsausfall wird nach aktueller Rechtsprechung als zu ersetzender Vermögensschaden angesehen, wenn nachgewiesen ist, dass der beschädigte Gegenstand für den Unfallgegner für Aufrechterhaltung der eigenwirtschaftlichen Lebenshaltung wichtig ist. Nach Ansicht der Richter besteht kein Anspruch darauf, einen Pkw-Fahrer, der mit dem Auto zur Arbeit fährt, schlechter zu stellen als einen Radfahrer.

Da es für Fahrräder keine entsprechenden Nutzungsausfalltabellen gibt, müsse die Kfz-Versicherung beim Fahrrad andere Wege gehen. Um eine Entschädigungshöhe festlegen zu können, empfahlen die Lübecker Richter, den geschätzten Mietpreis für das beschädigte Fahrrad zu ermitteln. Bei dem vorliegenden Fall handelte es sich um ein sehr hochwertiges Fahrrad, sodass ein Gutachter einen Nutzungsausfall von 326,50 Euro berechnete, da das Ersatzfahrrad erst 35 Tage nach dem Unfall ausgeliefert werden konnte. Die Richter kürzten den Anspruch um 40 Prozent. Dies entspräche dem imaginären Gewinn des Vermieters.

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