Die Vollkasko leistet nicht bei Alkohol- und Medikamenteneinfluss

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Das Amtsgericht Frankfurt hat ein Urteil gefällt, dass die Vollkasko Leistungspflicht bei grob fahrlässigem Handeln des Versicherungsnehmers von der Leistung befreit. Im vorliegenden Fall hatte ein Autobesitzer Anti-Depressiva geschluckt und mehrere Gläser Wein getrunken. Er beschädigte sein Auto an einer Bordsteinkante, fuhr aber weiter. Kurz darauf wurde er von der Polizei angehalten, die eine Blutprobe anordnete. Es wurde zwar eine Blutalkoholkonzentration von 1,96 Promille ermittelt, diese konnte aber aufgrund der zu geringen Blutmenge nicht als beweissicher gelten. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte den Fahrer trotzdem wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Geldstrafe. Die Richter des Amtsgerichts Frankfurt beriefen sich dabei darauf, dass die Polizeibeamten eine relative Fahruntüchtigkeit festgestellt hätten.

In einem späteren Klageverfahren des Versicherungsnehmers gegen seine Vollkasko musste er eine herbe Niederlage hinnehmen. Durch sein Verhalten habe er einen Versicherungsfall grob fahrlässig herbeigeführt. Dieser Argumentation der Vollkasko schloss sich das Gericht an. Dabei untermauerten die Richter ihre Entscheidung dadurch, dass der Fahrer zum Unfallzeitpunkt unstrittig unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss gestanden habe und dadurch die im Verkehr erforderliche Sorgfalt verletzt habe.

Die Kollision mit einem Bordstein deute auf eine alkoholtypische Ausfallerscheinung hin. Zwar konnte die Blutalkoholkonzentration im Nachhinein nicht mehr eindeutig festgestellt werden, sodass hier nicht von einer absoluten Fahruntüchtigkeit auszugehen war. Aber die alkoholtypischen Ausfallerscheinungen, die durch die Aussagen der beiden Polizeibeamten erheblich untermauert wurden, erfüllten den Tatbestand einer groben Fahrlässigkeit. Aus diesem Grund konnte die Vollkasko nicht zur Leistung verpflichtet werden. Autofahrer, die Medikamente einnehmen müssen, gehen ohnehin schon das Risiko ein, in ihrer Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt zu sein. Wer sich auf die Leistung seiner Vollkasko bei einem Unfall verlassen will, sollte auf Alkohol am Steuer generell verzichten.

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